Die politische Instrumentalisierung dieses furchtbaren Mordes ist abscheulich

Wir alle sind noch immer schockiert über den abscheulichen Mord an einem achtjährigen Jungen, der vor zwei Tagen am Frankfurter Hauptbahnhof vor einen einfahrenden Zug gestoßen wurde. Gerade auch persönlich als Vater eines kleinen Sohnes hat mich dieser Vorfall zutiefst erschüttert. Wut und Trauer sind noch immer sehr groß, das Entsetzen sitzt uns noch in den Knochen. Unserer aller Gedanken sind jetzt bei den Angehörigen und vor allem der Mutter des Jungen, aber auch bei den traumatisierten Augenzeugen des Verbrechens wie dem Zugführer. Leider wurde diese unfassbare Tat eines offenbar psychisch kranken Einzeltäters, die nun hoffentlich möglichst schnell und umfassend aufgeklärt wird, jedoch nicht nur mit Trauer und Mitgefühl, sondern auch mit Hass und Anfeindungen ganzen gesellschaftlichen Gruppen gegenüber beantwortet. Nach einer Tragödie wie dieser sind widerliche politische Instrumentalisierungen völlig fehl am Platz. Eine kranke Tat ist eine kranke Tat, unabhängig von der Herkunft des Täters.

Pauschale Verurteilungen bestimmter Menschen einzig und allein aufgrund ihrer Nationalität, Ethnie, Hautfarbe oder Religion haben keine Daseinsberechtigung in einer freien Gesellschaft und sind besonders nach solch einem grausamen Verbrechen einfach nur geschmacklos. In diese Richtung gehende öffentliche Diffamierungen, beispielsweise auf sozialen Netzwerken oder eigentlich aus Mitgefühl und Trauer abgehaltenen Mahnwachen sind daher unangebracht. Die politische Zurechnung eines solchen Mordes ebenso – derartige Äußerungen sind schlicht makaber und machen fassungslos. Im Fall des eritreischen Tatverdächtigen hat sich indes gezeigt, dass der 40-Jährige bereits seit vielen Jahren gut integriert mit seiner Familie in der Schweiz lebte und offenbar in kürzester Zeit zum psychisch kranken Mörder wurde.

Bei einer ähnlichen Tat in Nordrhein-Westfalen kam ein Iraker kürzlich potenziellen weiteren Opfern zur Hilfe, indem er sich auf den Täter stürzte und ihn festhielt. Vor einigen Wochen fiel in Wächtersbach ein Eritreer einem rassistisch motivierten Mord zum Opfer. Wir können Gewalttaten nicht immer und immer wieder auf die Herkunft einer Person zurückführen. Solche Gewaltverbrechen passieren nicht, weil es Ausländer gibt, sondern wahnsinnige Täter. Die Ursachen, geschweige denn mögliche Beweggründe, für derartige Morde sind nicht zu fassen. Wir GRÜNE stehen für Humanität gegenüber Geflüchteten und eine Willkommens- und Integrationspolitik, die ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft ermöglicht. Einen Mord zu nutzen für Anfeindungen gegen diese Haltung, ist pietätlos. Natürlich gibt es schwarze Schafe unter den neu zu uns gekommenen Menschen wie unter schon lange hier Lebhaften, die wir die volle Härte unseres Rechtsstaates spüren lassen müssen, aber die Kriminalität unter Geflüchteten ist nicht höher als die von einheimischen Vergleichsgruppen. Die schrecklichen Geschehnisse in Frankfurt sollten trotz aller herrschenden Wut und Trauer nicht unsere gesamte Politik bestimmen und uns stattdessen darin bestärken, uns weiter für ein soziales Miteinander zu engagieren.

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