60 Jahre nach dem Aufbruch: Vom „Ihr“ zum „Wir“?

In den vergangenen Tagen haben sich zwei der insgesamt neun von den Bundesregierungen der Nachkriegszeit abgeschlossenen Anwerbeabkommen zur Zuwanderung von Arbeitskräften zum 60. Mal gejährt. Am 29. und 30. März 1960 wurden derartige Verträge mit Spanien und Griechenland geschlossen. Sie stellten fünf Jahre nach dem Verhandlungsabschluss mit der italienischen Regierung den Auftakt zu einer Reihe von Anwerbeabkommen auch mit der Türkei, Marokko, Südkorea, Portugal und Tunesien in den nächsten fünf Jahren dar. Sie bedeuteten für viele Menschen aus verschiedenen Teilen dieser Welt einen Aufbruch, aber auch ein Wagnis und leider nicht immer nur Glück und Erfolg. Auch meine Eltern waren Teil jener Migrationsbewegung und haben all dies persönlich miterlebt. Doch ihren zahlreichen Entbehrungen ist diese Generation glücklicherweise mit viel Mut und Zuversicht begegnet. Was sie in der Folge auf jeden Fall brachte, ist eine kulturelle Bereicherung für unsere Gesellschaft und einen wirtschaftlichen Boom, zu dem die Arbeit jeder*s Einzelnen einen wichtigen Beitrag geleistet hat.

Seit vielen Jahrzehnten ist kulturelle Vielfalt in Deutschland also nun Realität und das gesellschaftliche Zusammenleben in allen Facetten durch Migration geprägt. Unser Ziel muss es nach wie vor sein, diese Realität anzuerkennen und den Weg, in der Integrationspolitik vom „Ihr“ zum „Wir“ zu gelangen, konsequent weiter zu gehen. Denn nur so können wir uns alle gemeinsam weiterentwickeln und auch voneinander lernen. In Zeiten der Herausforderungen durch Covid-19 müssen jedoch wieder Grenzen geschlossen werden und die europäische Solidarität gerät unter Druck. Dabei sehen wir gerade jetzt, wie wichtig der Zusammenhalt und die gegenseitige Hilfe und Unterstützung über Grenzen hinweg – auch innerhalb von Gesellschaften – ist. Solidarität haben wir GRÜNE in der Hessischen Landesregierung zum Beispiel kürzlich mit der Aufnahme von Patient*innen aus unseren Partnerregionen in Italien und Frankreich gezeigt. Das Virus kennt keine Staatsangehörigkeit, keine Herkunft oder Religion. In diesem Sinne hoffe ich auch weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit zur Bekämpfung der Pandemie-Folgen und sehe mit einem zuversichtlichen und solidarischen Blick in die Zukunft.

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